Gesundheits- und Lebensorientierung für Care Leaver1

Dieses BMBF-Praxis-Forschungsprojekt zielt auf die Verbesserung der psychosozialen Gesundheits- und Lebenssituation von Care Leavern in spezifischen Problem- und Entwicklungslagen und damit auf deren gesellschaftliche Teilhabe.

Projektdetails auf einen Blick

Kurztitel: Gesundheits- und Lebensorientierung für Care Leaver
Laufzeit: 01.04.2019 bis 31.03.2023
Projektmanagement: Institut für Forschung und Weiterbildung (IFW) Hochschule Koblenz
Projektleitung: Prof. Dr. Robert Frietsch
Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen: Dirk Holbach, M.A., Corinna Leißling, M.Sc.
Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Zielgruppe: Care Leaver in spezifischen Problem- und Entwicklungslagen / „Hard to Reach“ - Klienten.
Projektziel: Verbesserung der psychosozialen Lebens- und Gesundheitssituation und damit der gesellschaftlichen Teilhabe.
Kooperationspartner: Praxiseinrichtungen der Jugend-, Sucht- und Wohnungslosenhilfe sowie Jobcenter und Bildungseinrichtungen.

Ausgangslage

Fremdunterbringung bedeuten für viele Kinder und Jugendliche viele Ortswechsel sowie häufig wechselnde Beziehungspersonen. Nach ihrem stationären Aufenthalt erhalten mehr als 50% der jungen Menschen keine weiteren Angebote der Jugendhilfe.2 In der Folge landen viele junge Frauen und Männer als Care Leaver in der Wohnungslosenhilfe. Vor Eintritt der Wohnungslosigkeit haben nach einer Studie3 75% der jungen Erwachsenen (18 bis 25 J.), nach der TAWO-Studie4 60% der Personen Kontakt zur Jugendhilfe.

Entwicklungsverläufe und Bedarfe

Riskante Problemlösungsstrategien in der Lebensgestaltung erschweren bei vielen der jungen Menschen deren Teilhabe.5 Dazu zählen gravierende gesundheitsschädigende Verhaltensweisen wie Alkohol-, Drogenkonsum sowie Abbrüche im Bildungs- und Erwerbsverlauf. Diese "Care Leaver in spezifischen Problem- und Entwicklungslagen“ werden mit den Jugendhilfeangeboten nicht erreicht. Spezifische Settings an professioneller Unterstützung und Förderung sind für diese Zielgruppe erforderlich.

Zielsetzungen und methodische Schritte

Im Fokus des Praxis-Forschungsprojekts steht die Verbesserung der psychosozialen Lebens- und Gesundheitssituation der Zielgruppe. Zunächst gilt es einen adäquaten professionellen Zugang für diese Zielgruppe zu erschließen. Mit den beteiligten Fachkräften wird ein „Methodenkoffer-Care Leaver“ entwickelt, der eine nachhaltige Entwicklungsförderung und eine Bearbeitung der Problemlagen zur sozialen Teilhabe ermöglicht. Gliederung des methodischen Vorgehens:

  1. Professioneller Zugang zur Zielgruppe: Verbindliche Kooperationsverträge mit den Praxispartnern und Verbesserung des Schnittstellenmanagements (gem. Case Management) bilden hierfür die Basis.
  2. Professionelle Unterstützung und Förderung: Entwicklung von zielgruppenspezifischen Konzeptionen und einem fachlich abgestimmten „Methodenkoffer-Care Leaver“.
  3. Spezifische Software-Generierung: Die Digitalisierung ermöglicht eine praxistaugliche Nutzung der entwickelten Instrumente und eine einheitliche Dokumentation/ Analyse des gesamten Hilfeprozesses (Manual zur Anwendung des Doku-Systems).
  4. „Fachportal Care Leaver“: Die Website stellt den beteiligten Fachkräften aktuelle fachliche Informationen bereit und ermöglicht einen methodischen Diskurs.
  5. Spezifische Trainings- und Schulungsmodule: Workshops und Fachtage für Fachkräfte zielen auf die Verbesserung der gesundheitlichen und sozialen Lebenssituation und Qualifizierung/ Teilhabe der Zielgruppe.

Praxiskooperationspartner:

Zu Projektstart haben 8 Praxispartner auf Basis einer verbindlichen Kooperationsvereinbarung sich zum intensiven fachlichen Austausch bereit erklärt. Nach einem Jahr der Projektarbeit hat sich erfreulicherweise die Zahl der Praxiskooperationspartner auf 24 erhöht. Falls Sie Fragen haben oder mit Ihrer Einrichtung an unserem Forschungsprojekt teilnehmen möchten, freuen wir uns auf Ihre Nachricht. Jetzt Kontakt aufnehmen.

 


1 Care Leaver sind junge Menschen, die in Pflegefamilien, der stationären Jugendhilfe und damit in Verantwortung der öffentlichen Jugendhilfe aufgewachsen, entlassen worden sind und auch im Verlauf die Jugendhilfe - oft mehrfach - abgebrochen haben und/oder disziplinarisch verlassen mussten.
2 Sievers, B.; Thomas, S.; Zeller, M. Nach der stationären Erziehungshilfe Care Leaver in Deutschland. Hildesheim, 2014.
3 Knopp, R.; Bleck, C.; Rießen van, A. Abschlussbericht Junge Wohnungslose U25. S.4. Düsseldorf, 2014.
4 Frietsch, R.; Holbach, D. Gravierend-komplexe Problemlagen bei jungen Wohnungslosen - aktuelle Forschungsergebnisse, strukturelle und fachliche Konsequenzen in: Gillich, S./ Keicher, R. (Hrsg.). Suppe, Beratung, Politik. S.97. Wiesbaden, 2016.
5 Beierle, S. Praxisbericht zur Projektarbeit mit Straßenjugendlichen. Halle, 2017.